Dodo kommt unter die Räder oder wie Dein Leben von jetzt auf gleich nicht mehr so ist, wie es war

Die kleine Geschichte einer ungeplanten Katastrophe beginnt am Montagmorgen. Markus fährt wie immer früh gut gelaunt in seine Firma. Als erfolgreicher Unternehmer mit guten Patenten und einer Familie hat er es „geschafft“.

Doch heute beginnt es irgendwie anders. Als er seiner Sekretärin freundlich „Guten Morgen“ wünscht, weht ihm ein Wind von „Verzweiflung“ entgegen. Schwach den Gruß erwidernd, deutet sie wortlos auf den Bildschirm. Markus wendet sich ihr zu und schaut auf das, was er dort sieht. Zuerst glaubte er, dass es sich um ein „typisches“ EDV-Problem handele, was er schnell lösen kann.

Doch was er dort las, ließ ihn blass werden. Schnell ging er in sein Büro und fuhr den Rechner hoch. Dann loggte er sich in sein Onlinebanking ein und las: Auf Grund von Ermittlungen haben Sie keinen Zugriff mehr auf Ihr Konto. Einzahlungen und Auszahlungen sind auf diesem Konto NICHT mehr möglich. Auch ein Neustart brachte kein anderes Ergebnis.

Also versuchte er auf seine Privatkonten zuzugreifen. Diese zeigten das gleiche Bild. Er war von seinen Finanzen abgeschnitten! Der Anruf bei seinem sonst so freundlichen Bankberater endete mit einem eisigen „Wir können ihnen dazu keine Auskünfte erteilen“.

Nun begann sich das Rad immer schneller zu drehen…

Der von Markus beauftragte Rechtsanwalt konnte in Erfahrung bringen, dass es eine anonyme Anzeige gegeben habe. Darin wird ihm vorgeworfen, dass er Geld waschen würde und islamistische Terrorgruppen damit unterstützen würde. Damit war er unberechtigt als „Schwerkrimineller“ eingestuft worden.

Ein Anruf beim Steuerberater und Wirtschaftsprüfer zeigte das wahre Ausmaß. In den letzten Tagen während seiner Geschäftsreise waren mehrere anonyme Einzahlungen von je 9000,- € auf seinem Konto eingegangen. Die zahlende Bank war eine Bank aus dem Dunstkreis des „Salafismus“.  Wer das Geld einzahlte und warum, konnte nie geklärt werden.

Das interessierte die Staatsanwaltschaft und die Bank nicht. Über das Konto seiner Frau konnte zumindest der tägliche Bedarf zunächst gedeckt werden.

Für Markus als Verantwortlicher der Firma und über die Konten begann der völlige Absturz.

Mit der Post kamen die nächsten Probleme. Die Bank kündigte sämtliche Kreditlinien und Konten. Das Geld blieb eingefroren. Da die Kredite nun fällig gestellt waren, stand nun die Insolvenz im Raum. Als Folge stellten alle Lieferanten die Kredite ebenfalls fällig.

Notwendige Rechnungen konnten nicht mehr bezahlt werden und die Gehälter wurden nicht angewiesen. Nun war es nicht mehr nur ein Problem von Markus. Es betraf alle Mitarbeiter, Lieferenten etc.

Wie in solchen Fällen üblich rückte später am Vormittag die Staatsanwaltschaft mit Polizei und einem Durchsuchungs- und Haftbefehl an. Sie nahmen alles mit, was wichtig für die Ermittlungen war.

Dieses ließ sich natürlich nicht vor der Öffentlichkeit verbergen. Der erfolgreiche Vorzeigebetrieb sei eine Finanzquelle für den internationalen Terrorismus titelten die Zeitungen und das Lokalfernsehen.

Damit war Markus finanziell und persönlich ruiniert. Nun begannen die Papparazzi auch seine Frau, Kinder und Nachbarn zu belästigen.  Da Markus im Gefängnis in Untersuchungshaft saß, konnte er nichts mehr tun. Neidische Nachbarn und Wettbewerber sahen ihre Chance gekommen. Sie streuten Vermutungen über andere Frauen und Besuche von „zwielichtigen“ Besuchern.

Da die Ehe vorher schon Risse hatte, nahm seine Frau die Kinder und zog an einen unbekannten Ort. Von dort aus reichte sie die endgültige Scheidung ein.

Da sich das Verfahren hinzog und er in U-Haft saß, reichten die Lieferanten und Krankenkassen, die ebenfalls kein Geld mehr bekommen hatten, den Insolvenzantrag beim örtlichen Gericht ein.

Dieses konnte nicht anders, als das vorläufige Insolvenzverfahren einzuleiten und einen Insolvenzverwalter einzusetzen. Damit war Markus komplett aus der Firma raus und musste mit ansehen, wie sein Lebenswerk zerstört wurde.

Der Insolvenzverwalter konnte zumindest die Teilfreigabe von Geldern erwirken. Damit wurden die Krankenkassen bezahlt und die Gehälter zumindest teilweise.  Nun prüfte der Insolvenzverwalter, inwieweit der Betrieb weitergeführt werden konnte.

Die Prüfung ergab, dass er mit einem Interim-Geschäftsführer weitergeführt und auf den Verkauf vorbereitet werden kann. Damit sollen die restlichen Außenstände getilgt werden.

Das Verfahren gegen Markus zog sich über mehrere Monate hin, bis er schließlich vor Gericht erschien. In dem folgenden spektakulären Prozess konnten ihm zwar keine Verbindungen zum Terrorismus nachgewiesen werden. Doch wurden ihm gravierende Fehler in seinem Finanzmanagement nachgewiesen.

Das Urteil fiel folgendermaßen aus:  Die 9 Monate Haft wurden gegen die Untersuchungshaft angerechnet. Er kam also wieder auf freien Fuß und war offiziell nicht vorbestraft.  Die anonymen Gelder wurden eingezogen und einem Flüchtlingsprojekt zugesprochen.

Seine Firma wurde erfolgreich an einen Wettbewerber verkauft und so alle Rechnungen bezahlt.

Seine Frau blieb bei der Scheidung und bekam die Kinder zugesprochen.

Dodo (Markus) stand nun wie ein gerupfter Vogel da und hatte sprichwörtlich alles verloren.

Er erinnerte sich an ein „kleines Geschenk“ seines Großvaters, wovon keiner etwas wusste. Er wanderte in ein fernes Land aus, verschwand von der Bildfläche und baute sich dort ein neues privates Leben auf.

 

Ist diese Geschichte übertrieben und kann Dir nicht passieren? Sie kann in unterschiedlichen Formen jederzeit und überall passieren. Denke an „Hackerangriffe“, Identitätsfälschungen oder auch allerlei „untergeschobene“ illegale Dinge – Drogen, Kinderpornografie…